Andacht zum Trinitatisfest (7. Juni 2020)

 
 

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

gerade in diesen Tagen suchen wir nach Sicherheiten. Was gilt? Was ist richtig? Wie sollen wir es machen? Diese Frage stelle ich mir in diesen Tagen sehr oft und ich weiß, dass ich mit diesen Fragen nicht allein bin. Am liebsten sichern wir uns doppelt und dreifach ab. Das ist nicht erst so, seitdem das Corona-Virus in unserer Welt unterwegs ist. Versicherungen haben schon seit langer Zeit Hochkonjunktur. Gegen jede Eventualität des Lebens kann man sich versichern. Beruhigend ist es, gegen viele Dinge versichert und damit abgesichert zu sein. Doch gerade in diesen Tagen müssen manche schmerzlich feststellen, dass sich diese Sicherheiten sehr schnell in Luft auflösen können. Immer wieder sind Fälle zu hören, dass Versicherungen nicht greifen, weil die unvorhersehbare Corona-Pandemie nicht im Kleingedruckten verankert war. Für Verluste, die durch Schließungen oder Ausfälle aufgrund dieser Pandemie entstanden sind, ist die Versicherung nicht zuständig. Der Versicherte bleibt auf dem Schaden sitzen, obwohl er sich sicher gefühlt hat. Er kann nur noch vor Gericht ziehen und sein Recht einklagen. Aber den Weg vor Gericht scheuen verständlicherweise viele.

Auch der Glaube wird manchmal als eine Art Versicherung missverstanden. Manche meinen z. B.: Wenn ich mein Kind taufen lasse, dann stellt Gott für mein Kind besonders viele Schutzengel ab. Dann kann nichts passieren. Andere meinen: Wenn ich Gott um Rat gefragt habe, dann müssen meine Wege immer glatt verlaufen. Auch ganz aktuell ist eine ähnliche Auffassung anzutreffen. Nicht wenige sind der Meinung: Wenn wir Gottesdienste feiern und wenn Gott bei uns ist, dann kann uns dieses Corona-Virus nichts anhaben. Doch dann unterliegen wir dem Missverständnis, als sei Gott so eine Art himmlische Versicherungsgesellschaft und wenn wir nur genügend (Glaubens-)Beiträge einzahlen, dann sind wir abgesichert. Aber wenn dann die Schutzengel scheinbar nicht aufgepasst haben, wenn unsere Wege trotz aller Gebete nicht glatt, sondern steil und steinig verlaufen und wenn uns z. B. Krankheiten treffen, dann ist die Wut auf die vermeintliche himmlische Versicherungsgesellschaft groß. Vor keinem Gericht der Welt kann ich mein Recht, das ich Gott gegenüber zu haben meine, einklagen. Und so wenden sich in solchen Momenten nicht wenige Menschen vom Glauben ab. Sie machen es mit Gott wie mit einer Versicherungsgesellschaft. Sie kehren ihm den Rücken und suchen sich neue Sicherheiten.

Wenn wir in die Bibel schauen, dann finden wir viele Menschen, die viele steile und steinige Wege gehen mussten. Vor vielen Problemen und Übeln hat Gott die Menschen nicht bewahrt, auch dann nicht, wenn sie auf seinen Wegen gegangen sind. Viele Herausforderungen mussten sie bewältigen. Das hat auch der Apostel Paulus so erlebt. Viel Verfolgung und Entbehrung musste er wegen seines Glaubens erdulden. Vor all dem hat Gott ihn nicht verschont. Die himmlische Versicherungsgesellschaft hat scheinbar versagt. Doch Paulus hatte eine andere Sicherheit. Er hat erlebt, dass Gott ihn durch alle Herausforderungen führt und dass er durch alle Verfolgungen und Entbehrungen bei ihm ist. Er hat gemerkt, dass gerade auf den steilen und steinigen Wegen Gottes Gegenwart zu erleben ist. Gott führt nicht um diese schweren Zeiten herum. Er führt hindurch. Seine Wege werden an einem guten Ziel ankommen. Das ist die Gewissheit, die Paulus hat und die er in seinen Briefen den Gemeinden weitergibt.

Der Wochenspruch für das Trinitatisfest, das Fest der Dreieinigkeit Gottes, ist der letzte Vers des 2. Korintherbriefes und heißt:
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. (2. Korinther 13,13)
Der dreieinige Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist – steht uns mit Liebe, mit Gnade und mit seiner Gemeinschaft zur Seite. Dies galt für Paulus, das galt für die Gemeinde in Korinth und das gilt für uns als Christinnen und Christen heute. Diese Gewissheit, diese Sicherheit und, ja, diese Versicherung haben wir in unserem Leben zu jeder Zeit. Das gilt in Corona-Zeiten und weit darüber hinaus. So zeigt sich der dreieinige Gott in unserem Leben. Manchmal spüren wir seine Gegenwart, manchmal erkennen wir sie erst im Nachhinein. Darauf können wir uns verlassen. Das ist kein Missverständnis. Da brauchen wir auch nicht erst das Kleingedruckte zu lesen.

Damit wünsche ich allen ein gesegnetes Trinitatisfest. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes möge mit uns allen sein. Der Segen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes möge uns auf unseren Wegen begleiten. Mit dieser Sicherheit gehen wir in diesen Sonntag und in die kommende Zeit.

Mit diesen Worten möchte ich die Reihe dieser Andachten beenden. Diese Andacht soll die letzte Andacht in dieser Reihe sein. Wir laden in allen Gemeinden wieder herzlich zu den Gottesdiensten ein und auch viele Gemeindekreise haben wieder begonnen. Diese Andachten als „Ersatzangebot“ werden deshalb nicht mehr gebraucht. Wir freuen uns, Sie / Euch wieder in den verschiedenen Veranstaltungen in den Gemeinden begrüßen zu können.

Und wie immer gilt am Schluss: Der Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Ihr / Euer Pfarrer Matti Schlosser

P. S.: Die Andacht wird in den nächsten Tagen wieder im Flur des Pfarrhauses zum Mitnehmen und Weitergeben ausgelegt.

 
 
06.06.2020, 18:16 Uhr
Autor: Andreas Nestler
 
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